Dienstag, 12. Mai 2026

Der wachende Feldherr


Über allem thront Garibaldi hoch auf dem Gianicolo, sein Schatten fällt über uns, als wir am Abend über die Stadt schauen. Der Blick öffnet sich in alle Richtungen – aufs Zentrum genauso wie auf der Rückseite auf die Peterskirche in der Mitte des Platzes. 

Ein einsamer Barde am Sockel des großen Feldherrn, schöne abendliche Stimmung mit allen Generationen.

Giuseppe Garibaldi (1807–1882) ist die zentrale Figur des Risorgimento, der Einigungsbewegung Italiens. Gerade auf dem Gianicolo hat er Geschichte geschrieben: 1849 verteidigte er hier mit seiner Freischar die kurzlebige Römische Republik gegen die einrückenden französischen Truppen. Ein wirklich bewegter Lebenslauf, der mit dem marcaurelischen Standbild kaum spiegelt, was er bewegte. Das monumentale Reiterstandbild, 1895 eingeweiht, zeigt ihn in die Stadt blickend – als wache er noch immer über das vereinte Italien, das er erkämpft hat.​​​​​​​​​​​​​​​​ Schönes Pendant zum Standbild auf dem Kapitol. Beide Statuen thronen auf Hügeln mit Panoramablick über Rom — Kapitolshügel und Gianicolo — was die implizite Gleichsetzung räumlich verstärkt: der antike Philosophenkaiser und der moderne Nationalheld beanspruchen je ihren Aussichtspunkt über die Stadt, die sie symbolisch in Besitz nehmen.