Mittwoch, 30. März 2016

Geh'n, geh'n, geh'n auf der Pilgerbahn und ein Gesprächsversuch mit dem Teufel: Von Boadillo nach Calzadilla 45,0 KM

Ein paar meiner Mitschläfer kannte ich bereits von einer Voretappe und damit auch ihre Wecker, die pünktlich um 6 anschlugen. Aber alle dösten bis 7 Uhr weiter, in der ,Kuba-Bar' tat sich nichts. Um 7.30 Uhr war ich auf der Piste, die mich malerisch an alten Transportkanälen des 18. Jahrhunderts vorbeiführte. In Frómista zum Frühstück.
Und dann begann die bekannte Pilgerautobahn, die es auch schon im Mittelalter war, ehe sie in der Neuzeit für den Autoverkehr asphaltiert wurde und den alten Jakobsweg verschwinden ließ. Jetzt verläuft er daneben, ebenfalls schnurgerade auf einer Schotterpiste. Nach vier Tagen Wind war es ein Genuss, die schmucklosen Dörfer flogen vorbei.  
In Villacázar de Sirga aß ich ein sensationelles Schinkenbrot und erreichte meinen eigentlichen Zielort Carrión de los Condes bereits um 14 Uhr. Das städtische Leben war in der Siesta am Nullpunkt angekommen.
Als Startpunkt einer 17 Kilometer langen Strecke durch die pure meseta ist der Ort aber traditionell Rüstort für das Einsamkeitsmonster unter den Jakobswegetappen. Und ich entdeckte den erst dritten geöffneten Supermarkt am Rande meines Weges just im rechten Moment. 

Christen fürchten auf dem folgenden Teilstück die Auseinandersetzung mit dem Teufel, andere rechnen mit Komplettversagen von Körper und Geist. 

Ich war vorgewarnt, begann steten Schritts und wartete, was kommen würde. Aber erst kamen nur trostlose Verkehrskreisel, dann eine Provinzstraße, für deren ortskundige Nutzer ein wandernder Pilger wie ein Pylon rasant umfahren wurde. Endlich wurde das Stück zu einer Schotterpiste, da waren ,nur' noch 14,5 km zu bewältigen. Aber in der Tat verschwand langsam alles, was an Zivilisation erinnerte, sieht man mal von den edding-verschmierten Schildern mit Selbstvergewisserungsparolen nach Art von ,Quäl Dich, Du Sau' ab. Zeit, mein Brevier zu zücken, und kaum hatte ich die ,Non' beendet und neue Sicherheit gewonnen, rief sich der Teufel tatsächlich in Erinnerung. Ich hatte meinen geöffneten Trinkjogurth in der Hand als eine Windböe die Flasche aufheulen ließ, dass ich erschreckt innehielt. Wie anders hatte mich doch Tage zuvor die Nachtigall begleitet. Dennoch ging ich weiter, leerte den Jogurth und ab da herrschte Stille. 4 Kilometer vor dem Ziel tauchten erste Landmaschinen auf, bald ragten ein Kirchturm in die Landschaft und aus einer Senke erhob sich wie ein Wunder Calzadilla. Angekommen!