Mittwoch, 13. Mai 2026

Papstaudienz



Am Mittwoch gehen wir in den Vatikan und kommen am frischen Campo de’ Fiori vorbei, wo die Händler gerade ihre Stände beschickt haben und der Platz noch schön aufgeräumt ist. Durch die Gassen westlich der Piazza Navona. In den Höhlen der Häuser immer noch Handwerker: Schneider, Polsterer, Motorradmechaniker, die hier ihre Geschäfte haben. Hier und da ein Römer auf dem Weg zur Arbeit.


An der Engelsburg öffnet sich der Blick auf den Tiber und das gewaltige Bollwerk. Über die antike Brücke hinüber auf die große Versöhnungsstraße, deren imperialer Gestus immer noch ein wenig irritiert. Wir nähern uns dem Petersplatz und der Umarmung der Kolonnaden.
Von Weitem sehen wir schon, dass auf den Stufen Gesang ertönt, und nun ahnen wir, dass wir in die Audienz des Papstes geraten sind. Klein ist das Papamobil zu erkennen, das im Kreis über den Platz fährt. Auf dem Bildschirm kann man alles besser erkennen, eine Kamera überträgt alles. Hinaufgereichte Kinder, Winken hier, Jubeln da. Bis nach einer weiteren Runde das Papamobil am Podest in der Mitte vor dem Hauptportal ankommt.
Ansprache auf Italienisch. Eine kleine Exegese, heute zu Maria und der Jungfrau von Fatima. Gefolgt von Kurzfassungen in den wichtigsten Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Portugiesisch, Chinesisch, Arabisch.
Alles sehr schön. Der Papst wirkt sachte freundlich zugewandt. Dann folgt ein Strom Auserwählter – ich würde sie auf 200 schätzen –, die abschnittsweise vorgelassen werden und ein paar Worte mit dem Papst wechseln. Es sind Geistliche, Gläubige, Kinder, Politiker, Ärzte, Polizisten, Feuerwehrleute – das ganze Spektrum des Lebens. Alles wird über Bildschirme genau übertragen. Man spürt: für jeden ist es der Tag der Tage. Und jeder führt irgendetwas mit sich: ein selbstgeschriebenes Buch, ein Trikot, ein Bild zum Segnen, ja sogar eine große Glocke steht bereit. Für jeden hat der Papst freundliche Aufmerksamkeit. Die kleinen Geschenke, die ihm überreicht werden, gibt er umgehend weiter – vermute ich. Man wünscht sich natürlich, dass es eine Art Geschenkregelung gäbe. Was soll der gute Mann mit all dem Kram.


So geht es eine Stunde lang, während sich auf dem Petersplatz eine Schlange formiert, die nach Ende der Audienz in den Petersdom zu strömen gedenkt. Hier stehen wir weit über eine Stunde, gehören aber zu den Ersten in der Wartenden, die sich an der Grenze von Italien zum Vatikan schon bald um den halben Petersplatz herumschlängelt. Schließlich kommt Bewegung in die Angelegenheit, und wir betreten das Gotteshaus durch das Hauptportal.


In der Ferne die Pietà von Michelangelo. Wir gehen durchs Mittelportal, wo die Dimensionen anderer Kirchen – unter anderem des Kölner Doms – auf Lateinisch markiert sind. Erstaunlich genug, dass diese überdimensionierte Bahnhofshalle trotz all ihrer Kunstwerke insgesamt stimmig wirkt. Jedes Grabmal, jedes Mosaik, jedes Standbild für sich ein Meisterwerk und wert, eingehend betrachtet zu werden.
Die Gläubigen verlieren sich in dem großen Gotteshaus. 


Der Altar und der Baldachin von Bernini: überwältigend, aber inzwischen nur noch durch Seile getrennt mit gehörigem Abstand zu betrachten. In der Apsis Vorbereitungen für einen Gottesdienst, die Orgel erklingt – aber all das neben dem gesamten anderen Betrieb. In einem Seitenschiff Beichtstühle für alle erdenklichen Sprachen, in einer anderen Ecke auch eine moderne Zuhörmöglichkeit mit schönen Stellwänden.
Wir verweilen ein paar Momente vor der Pietà von Michelangelo hinter Glas. Wir verlassen Sankt Peter, geblendet von der Sonne draußen, und wenden uns dem Zugang zur Kuppel zu. Wir entscheiden uns für die Aufzugvariante. Der Aufzug erspart uns allerdings nur den Weg bis zum Balkon, während das mühsame Hinaufklettern bis zur Laterne doch noch selbst unternommen werden muss. 


Erst auf breiten Treppen, dann gebückt zwischen den Schalen der Kuppel – bis ganz nach oben. Auch hier Überwältigung und der Gedanke daran, dass diese Kuppel nun beinahe 500 Jahre trägt und mit damaligen Mitteln bewerkstelligt worden ist. Bleibt unvorstellbar.




Auf dem Dach fast wie ein kleines Feriendorf: ein Souvenirladen, eine Bar und die Möglichkeit, sich zu setzen und zu waschen. Ein paar Postkarten, Briefmarken aus dem Vatikan – und von dort, auf dem Dach, direkt versandt.


Wir steigen hinab. Die Stiege zur Kuppel ist voll mit Inschriften der Gäste, die diese Stufen begangen haben. Fast wie überdimensionierte Postkarten. Kurios.
Als wir den Petersplatz verlassen, ist immer noch Gesang von Gläubigen zu vernehmen und eine endlose Schlange vor den Sicherheitskontrollen in den Kolonnaden – und anschließend eine Warteschlange zum Eintritt in den Petersdom. Da haben wir noch mal Glück gehabt. Um den Petersdom selbst unglaubliches Gedränge, und eine ebenso lange Schlange für den Einlass ins vatikanische Museum. Mit einigem Geschick finden wir ein paar Gassen, die uns etwas menschenärmer hinausführen, ehe wir vor einem für römische Verhältnisse ungewöhnlich langen Regenschauer in einem Imbiss verschwinden und den Sturm abwarten.


Jetzt übers frische, glatte Kopfsteinpflaster zurück nach Trastevere. Es ist inzwischen halb sechs.
Der Weg zum Himmelreich ist lang und mühsam. Lang und mühsam. Aber für italienische Verhältnisse gut organisiert.​​​​​​​​​​​​​​​​

Dienstag, 12. Mai 2026

Der wachende Feldherr


Über allem thront Garibaldi hoch auf dem Gianicolo, sein Schatten fällt über uns, als wir am Abend über die Stadt schauen. Der Blick öffnet sich in alle Richtungen – aufs Zentrum genauso wie auf der Rückseite auf die Peterskirche in der Mitte des Platzes. 

Ein einsamer Barde am Sockel des großen Feldherrn, schöne abendliche Stimmung mit allen Generationen.

Giuseppe Garibaldi (1807–1882) ist die zentrale Figur des Risorgimento, der Einigungsbewegung Italiens. Gerade auf dem Gianicolo hat er Geschichte geschrieben: 1849 verteidigte er hier mit seiner Freischar die kurzlebige Römische Republik gegen die einrückenden französischen Truppen. Ein wirklich bewegter Lebenslauf, der mit dem marcaurelischen Standbild kaum spiegelt, was er bewegte. Das monumentale Reiterstandbild, 1895 eingeweiht, zeigt ihn in die Stadt blickend – als wache er noch immer über das vereinte Italien, das er erkämpft hat.​​​​​​​​​​​​​​​​ Schönes Pendant zum Standbild auf dem Kapitol. Beide Statuen thronen auf Hügeln mit Panoramablick über Rom — Kapitolshügel und Gianicolo — was die implizite Gleichsetzung räumlich verstärkt: der antike Philosophenkaiser und der moderne Nationalheld beanspruchen je ihren Aussichtspunkt über die Stadt, die sie symbolisch in Besitz nehmen.


Was hilft gegen Graffiti?


Was hilft gegen Graffiti? Graffiti! In Trastevere gibt es keine Wand, die nicht bemalt ist. Eine Maßnahme ist, selbst eine hochwertige Zeichnung anzubringen, verbunden mit der Bitte, diese Zeichnung zu respektieren. Das hat eine Pizzaeia gemacht. 
Alle anderen Hauseigentümer können darauf hoffen, dass die Bilder schmückend sind. 
Sie lassen sich auch thematisch zuordnen, zum Beispiel eine Sammlung von Superfrauen. 

Für Streetart-Künstler ist Trastevere ein Paradies, zeigt aber zugleich, welche Folgen Übertourismus und die Popularität von Vierteln haben kann.

Naja, die Größten sind ja auch dabei…



Römische Weinstube


Es gibt ein Bild des bayerischen Kronprinzen Ludwig in einer Weinstube in Rom, umgeben von Künstlern und Architekten; es hängt in der Neuen Pinakothek in München. Dieses Motiv hat mich immer fasziniert. Wirklichkeit wurde dieses Gemälde für uns, als wir spontan mit unserem italienischen Neffen und seinem Freund bei einer guten Flasche Wein aus Latium zusammensaßen.


Die Bar des Rathauses



Ich vermute, dass es in Städten wie Rom so gut wie keine Geheimtipps mehr gibt. Aber nachdem wir das Kapitol eingehend besichtigt hatten, erinnerte sich meine Liebste, dass sie auf die Bar des Rathauses hingewiesen worden war.


Man erreichte sie über einen unscheinbaren Eingang, der noch dazu von einem Sicherheitsbeamten bewacht wurde, der uns ohne Weiteres eintreten ließ. Dieser führte zunächst zu einer gepflegten Toilette und ein weiteres Stockwerk darüber zu einer modern ausgestatteten Bar, in der sich die Angestellten des Rathauses zum Kaffee einfanden.


Die Bar bot alles, was jede römische Bar heutzutage anbietet – mit Ausnahme des grandiosen Rundumblicks über fast die gesamte Stadt, jedenfalls ergänzt um eine opulente Terrasse zum Forum Romanum und zur anderen Seite hin auf die Stadt selbst.


Hier genossen wir ein Panino und zwei Cappuccini, dazu den Blick – und gingen gestärkt auf weitere Besichtigungstour.




Das Schlüsselloch


Es gibt ein Gartentor beim Malteserorden auf dem Aventin, durch dessen Schlüsselloch man nichts weiter sehen kann als die Kuppel des Petersdoms. Als ich das letzte Mal in Rom war, gehörte dies zwar zu den bekannten Kuriositäten, allein es interessierte sich niemand dafür. Von Zeit zu Zeit ging ich vorbei und schaute einmal durch. Nun, an diesen Ort zurückgekehrt, hatte sich eine lange, lange Schlange gebildet. Denn natürlich steht dies als Attraktion inzwischen auf jeder digitalen Karte. Es blieb die Erinnerung und die Einsicht, dass es so gut wie keine Geheimtipps mehr gibt – mit Ausnahme der schon erwähnten Bar im Rathaus.​​​​​​​​​​​​​​​​

Montag, 11. Mai 2026

Rom. Ankommen

Freundliche Begrüßung in Rom. Der lächelnde Elefant vor Santa Maria sopra Minerva ist das sympathische Gesicht dieser quirligen Stadt. Erstmal eintauchen und ziellos umhergehen. Hier eine Bar, da ein Eis. So kann es beginnen.​​​​​​​​​​​​​​​​


Sonntag, 10. Mai 2026

Ein Bonner im Himmel

Ein Bonner im Himmel. Anreise nach Rom über München. Bis ich mit meiner Liebsten zusammentreffe, ist noch ein wenig Zeit zu überbrücken. 

Also in den Garten des Hofbräuhauses, jenes Festortes des Biers, der dem Getränk in großartiger Weise huldigt. Im Schatten der Kastanien ein wenig Kartenarbeit.​​​​​​​​​​​​​​​​ 


Samstag, 9. Mai 2026

Klimabeitrag



Unsere Reisen versuchen wir schon klimaschonend zu unternehmen. Aber vermutlich müssten wir viele Bäume pflanzen. Mit der Mirabelle von 2019 machen wir einen weiteren Schritt im Garten.​​​​​​​​​​​​​​​​


Freitag, 8. Mai 2026

Wüster Rhein

Was für ein hin und her am Rhein. Hochwasser, Niedrigwasser. Jeden Tag kann ich das Schauspiel betrachten. 

Wie schön, dass diese alte Römerstraße für den Lastverkehr zuverlässig genutzt werden kann, auch weil es Schiffe für Niedrigwasser gibt, die elektrisch fahren. 

Welch ein Glück, diese täglichen Fahrten, ich möchte nie mehr freiwillig Auto fahren. Im tiefsten Herzen habe ich das Reiseverhalten meiner Oma. Buskarte abfahren reicht.




Mittwoch, 6. Mai 2026

Offizielles Verlagsfoto 2026



Offiziell. Ich und meine Bücher im Hintergrund. Irgendwie immer noch beeindruckend, diese vielen gedruckten Ideen, auch wenn sie mittlerweile zu 80 % digital konsumiert werden.


Dienstag, 5. Mai 2026

Ultra

Für den FC geht es nach einer wieder tristen Saison in der Erstenliga weiter, weil es noch genug Mannschaften gibt, die noch schechter spielen. 

Also wende ich mich zur Abwechslung dem anderen FC zu, meinem Fähren-Cup. Alle Rheinfähren sammeln, das Glück des preisbewussten Kreuzfahrers: Fahrt für 3 Euronen, drahtlos, hier Langel-Hitdorf.



Donnerstag, 30. April 2026

Robotron



Auch, auch wenn es nicht so aussieht. Hier stehen die Koryphäen der Legal-Tech-Bewegung zusammen, die sich 2017 im Silicon Valley gebildet hat. 

In unterschiedlichen Funktionen arbeiten wir an der Zukunft des KI-Rechtsmarkts. Aber dann fand die Gruppe, die Oldies auf dem Bild hätten den Charme von DDR-Politbüroangehörigen. Na, dann.




Dienstag, 28. April 2026

Auf Drachenjagd

Mit der ältesten Zahnradbahn Deutschlands geht es auf Drachenjagd. Die Garnitur von 1955. Über die steile Rampe hinauf bis zum Fuße. Überschaubare Technik. Zuverlässig gewartet. Zahn für Zahn klettern wir nach oben. 
Auf den Spuren Siegfrieds.


Samstag, 25. April 2026

Moby Dick



Gegenwärtig kümmert sich die Nation um einen festgestrandeten Wal in der Ostsee – doch die Natur geht eigene Wege. 

Wir haben uns am Wochenende für den seit 60 Jahren zuverlässig verkehrenden Stahldampfer Moby Dick entschieden und fuhren zur verspäteten Feier eines runden Geburtstages mit allen Schwestern, ihren Männern und der Mutter zum Drachen. Schöne Rheinpartie für alle.


Sonntag, 19. April 2026

Go, Jogi, Go

Mit meinem Freund J bin ich von Zeit zu Zeit zu einer Radtour verabredet. In diesem Jahr stand mir das Wahlrecht zu, und ich zögerte nicht lange: eine Fahrt an der schönsten Frittenbude im Venn, Richtung Kurort Spa.
Große Teile der Strecke lassen sich über eine alte Eisenbahntrasse bewältigen, aber zur Erinnerung an die Topographie des Hohen Venns waren ein paar Serpentinen eingestreut. Zu Fuß ging es allerdings erst einmal flach, an einem einsamen Brückenbauwerk vorbei – einem Relikt aus einer von Träumen der individuellen motorisierten Mobilität beseelten Gesellschaft –, Richtung Rurtalsperre. Dazu muss man erst einmal klettern, um schließlich von oben einen Blick auf das fjordähnliche Gewässer zu haben.
Wie gut, dass die gelben Köstlichkeiten Belgiens an einem schönen Straßenschnittpunkt aufs Feinste zubereitet als Stärkung für den letzten Teil der Strecke bereitstanden, der uns in den wunderschönen Kurort Spa führte. 


Mit wunderbarem Frühstück ausgestattet, ging es bei sonnigem Wetter am nächsten Morgen weiter in die Ardennen – und welch ein Glück: jeder Meter davon auf der alten Bahntrasse Spa–Stavelot, über eine Querverbindung zur Vennbahn und über die Venn-Querbahn bis nach Jünkerath. Der Wind blies aus allen Richtungen, also hatten wir ab und zu auch schönen Gegenwind. Die schönen Orte flogen an uns vorbei, und bald erreichten wir den Bahnhof Jünkerath.
Die Kylltalbahn und die Eifelbahn sind nach der Sommerflut 2021 nun fast wieder hergestellt und bald sogar elektrifiziert. Schnell brachte uns der Zug bis nach Rheinbach, und die letzten 18 km schafften wir dann auch noch mit dem Rad. Welch eine Inspiration, am Morgen sogar die aktive Rennstrecke Spa-Francorchamps zu passieren, wo ein Amateur-Porsche-Cup für eine grandiose Soundkulisse auf dem malerischen Kurs sorgte.​​​​​​​​​​​​​​​​


Dienstag, 14. April 2026

Die Außerirdischen kommen

Die Außerirdischen kommen in den Starenweg. Diesen Besuch hat es seit Errichtung dieser Wohnstraße in den frühen Neunzehnhundertsechzigerjahren noch nicht gegeben. Der Kehrwagen der Stadt Bonn. 

Passend, dass gerade Menschen im All unterwegs waren und den Mond umrundeten. Mindestens auf einer Stufe war der Besuch des Kehrwagens der Stadt Bonn, die mit ihren bunten Slogans ein weiteres Signet der stolzen Geschichte dieser Stadt hinzufügen konnte. 

In der Nachbarschaft wurde dieses Gefährt mit unterschiedlichem Echo begrüßt. Einige Nachbarn fürchten erstmals erhobene Straßenabgaben, während wir uns doch für die Trinkgeldlösung an das Kehrmönnchen entschieden hätten. Wie auch immer: Die Straße ist blitzblank.​​​​​​​​​​​​​​​​