| Etappe | Datum | km | HM | Zeit |
| Anfahrt/Allein im Zug | 05.06.2026 | 0:46:03 | ||
| Prolog | 05.06.2026 | 0:20:46 | ||
| Einrollen Vennquerbahn | 06.06.2026 | 3:06:35 | ||
| Ardennen in Cinemascope | 07.06.2026 | 5:14:55 | ||
| Maasarbeit/Eisenbahn gen Westen | 08.06.2026 | 4:40:16 | ||
| Tanze Sambre mit mir | 09.06.2026 | 3:44:24 | ||
| Landschaftskino | 10.06.2026 | 4:46:25 | ||
| KANALles so bleiben | 11.06.2026 | 3:57:04 | ||
| Ardennen zeigen Krallen | 12.06.2026 | 4:14:04 | ||
| Was Wiltz du mehr | 13.06.2026 | 4:19:22 | ||
| Höchster Punkt Luxemburgs | 14.06.2026 | 4:45:37 | ||
| Wasserbüffelsafari | 15.06.2026 | 1:26:23 | ||
| Zurück | 15.06.2026 | 0:38:30 | ||
| Summe | 42:00:24 |
Montag, 15. Juni 2026
Bilanz Tour de Champagne: 745 Kilometer, 42 Stunden
Sonntag, 14. Juni 2026
Venn, dann ganz nach oben. Enscherange-Bütgenbach
Am Morgen verlassen wir unser winziges Häuschen. In einem Tiny House muss man die Laufwege seines Partners genau kennen, um sich überhaupt darin bewegen zu können. Es ist eigentlich wie ein kleines Verschiebespiel, bei dem man Quadrate in die richtige Richtung schiebt, bis sich ein Bild ergibt.
Am Ende sitzen wir jedenfalls mit fertig gepackten Taschen und präparierten Fahrrädern vor unserem Häuschen und essen Brötchen, die uns der Campingplatz ans Haus gestellt hat. Dann geht es los. Es ist noch niemand auf der Straße.
Das Tal der Clerf liegt einsam vor uns, und über schöne Alleenstraßen mit teilweise exzellentem Asphalt klettern wir langsam wieder auf die Höhe Richtung Clervaux. Der Ort, überragt von seinem Klosterturm, liegt noch verschlafen vor uns. Dann Glockengeläut oben vom Klosterberg.
Wir schlängeln uns durch den Ort hinauf. Auch hier großartige Kanalarbeiten, und Leerstände werden mit farbenfrohen Großplakaten kaschiert, die die Freizeitwerte des Ortes feiern – dann wieder Idylle pur.
Wir fahren meist parallel zur Eisenbahnlinie, werden aber auch immer wieder geschickt am Hang hochgeführt, manchmal die Strecke kreuzend, sodass wir an einer Stelle vor der Schranke zum Stehen kommen und ich dem Lokführer einen Gruß zuwerfen kann.
Dann geht es steil durch kleine Ortschaften und über eine letzte große Kuppe hinüber nach Troisvierges. Hier hat jemand schon alles ausgekundschaftet und kennt den Bäcker vor Ort, der mit einem großartigen Angebot an Backwerk und dem besten Kaffee der letzten zehn Tage glänzt. Eine echte Stärkung.
Wir rollen am Bahnhof vorbei und dann über einen abwechslungsreichen Weg durch Felder und Wälder, mit teilweise sehr harten Anstiegen im Bereich von 10 Prozent, hinauf auf das Plateau. Zum offiziellen Beginn der Vennbahn ist es nicht mehr weit.
Bis zur höchsten Erhebung Luxemburgs, dem Kneiff – 560 Meter – ist es ebenfalls nicht mehr weit. Der Weg dorthin ist nicht ausgeschildert, aber der topografische Sonderpunkt wird patriotisch gefeiert: mit Fahne und einer mehrsprachigen Erläuterungstafel. Erinnerungsfoto.
Nun schießen wir von der Höhe hinab, passieren das einzige Grenzschild auf unserer ganzen Reise – das belgische ist schon verloren gegangen, das luxemburgische fast zugeklebt – und fahren Burg-Reuland entgegen.
Hier verläuft der Weg sehr idyllisch, teilweise durch Wälder, teilweise durch Wiesen, durch das Tal der Our. An einer Bank rasten wir.
Nun entfernt sich der Weg von der Trasse, auch weil viele Brücken beschädigt oder eingestürzt sind, und mäandert durch die Landschaft. Wie anstrengend es ist, wenn man sich nicht auf einer idealen Trasse bewegt.
Es dauert schließlich bis Sankt Vith, dem zentralen Ort der Ostkantone, bis wir uns der stillgelegten Linie wieder nähern.
Es ist kühl im Venn, wie eigentlich immer, und trübe. So richtig sonnig habe ich es hier selten erlebt. Rechts eine Hochmoorlandschaft, ein wenig aufgelockert durch Hecken und kleine Baumgruppen – ein bisschen öde.
Der Wind bläst uns zur Abwechslung entgegen. Der zuverlässige Südwestwind der letzten neun Tage, der heute ideal gewesen wäre, hat sich einfach gedreht. Also noch einmal eine Herausforderung. So ein Ärger!
Pause am Windrad. Kilometer null der Vennquerbahn.
Es sind nur noch vier Kilometer bis zu einem Sportlerdorf, das am großen See von Bütgenbach liegt, mit Strandbad, Tennis- und Fußballplätzen, eingebettet in die Natur. Hier könnten einmal ökologisch korrekte Sommerspiele stattfinden.
An der Rezeption wird uns das Olympiaquartier zugewiesen und auf das abendliche Buffet im Sportlerheim – nein, Restaurant – verwiesen.
Erkenntnis des Tages: Olympische Spiele könnten für viele Sportarten sofort im Hohen Venn stattfinden.
Belgien ruft die Jugend der Welt!
Samstag, 13. Juni 2026
Was Wiltz du mehr? Neufchateau - Enscherange
Am Morgen scheint es, als käme mehr Licht durch die Vorhänge. Tatsächlich erspähe ich Sonne und blauen Himmel. Wir bleiben verhalten, denn schon gestern sind wir mit anderen Erwartungen in den Tag gestartet.
Zuerst gehen wir in den großen Speisesaal, einen Wintergarten in dem fast 150 Jahre alten Haus. Der Hausherr empfängt uns formvollendet. Das Frühstück: Bio-Orangensaft, Bio-Joghurt, Konfitüre, Brot und zwei Croissants. Auf der alten Anrichte steht eine Top-of-the-line-Jura-Kaffeemaschine. Ein kurzes Gespräch über die Geschichte des Hauses, ein netter Austausch. Ein Investmentbanker, der mit seiner Frau von Antwerpen hier in den freundlichen Süden Belgiens gezogen ist – wegen der Freundlichkeit der Menschen, der vielen Natur und weil er im Homeoffice drei Tage bequem von hier arbeiten kann. Nach Luxemburg sind es mit dem Auto 45 Minuten. Später sehen wir die Autobahn. In der Tat: Man kann sich vorstellen, auf ihr zu fahren – für unsere Verhältnisse unvorstellbar.
Wir lassen es langsam angehen. Nach herzlicher Verabschiedung fahren wir aus Neufchâteau heraus. Bald geht es über schottrige Pfade bergan, hoch und runter, über landwirtschaftliche Wege, bis wir eine alte stillgelegte Bahnlinie erreichen. Die einstige Brücke ist modernisiert, in einem wunderschönen Dorf. Die Fahrt verheißt nur Gutes. Von hier sind es noch 22 Kilometer bis Bastogne. Auf diesem Asphalt ein Kinderspiel.
Noch ehe wir es aussprechen, endet er. Nun führt eine 18 Kilometer lange, sehr schottrige Piste Richtung Zwischenziel, die wir mit maximal 15 Stundenkilometern bewältigen. Durchgeschüttelt kommen wir am stillgelegten Südbahnhof von Bastogne an. Zuerst fahren wir in die Innenstadt und lassen uns im Schatten eines Erinnerungspanzers der amerikanischen Armee nieder, die sich im Dezember 1944 erfolgreich gegen die deutsche Wehrmacht verteidigte.
Kühle Getränke, Kaffee – und dann in die nahe Boulangerie, die von nahezu allen Bewohnern Bastognes, inklusive der Gastronomie, aufgesucht wird. Hinten die Backstube, vorne die Herrlichkeit belgischer Backkunst.
Wir stärken uns für die nächsten 22 Kilometer auf der Bahntrasse, diesmal ordentlich asphaltiert – eine einzige Schussfahrt von Bastogne hinab nach Wiltz. Der Ort selbst: eine Großbaustelle. Mitten in der schönen Stadt entsteht durch Teilkanalisation des Flusses ein neuer, moderner Stadtteil. In Luxemburg wird nichts dem Zufall überlassen. Alles sieht gut aus, selbst die Baustellen.
Am Ortsausgang ein kleiner, unscheinbarer, perfekter Supermarkt. Es liegen noch einige Höhenmeter vor uns, und zwei Proteinjoghurts sind der Mindesttreibstoff. Zunächst geht es schlängelnd entlang der Wiltz. Nicht unten am Wasser, sondern auf dem Hochufer – also auf und ab. Giftige Anstiege, schöne Abfahrten, wieder giftige Anstiege, wieder schöne Abfahrten. Eine Herausforderung für Material, Technik und Schaltvermögen – und dennoch abwechslungsreich, einzigartig.
Ein Auengebiet queren wir über eine aufwendige Holzbrücke. Mitten in der Natur – kaum zu glauben. Dann verlassen wir das Wiltztal und fahren über eine kleine Passstraße hinauf ins Tal der Clerf. Ein sehr schönes Stück Straße, fast wie aus dem Bilderbuch. Man mag sich kaum vorstellen, für solche Touren bis in die Alpen fahren zu müssen.
Dann zweigt der Weg sogar von dieser schönen Straße ab und mündet in einen Wirtschaftsweg, der nicht minder aufregend auf und ab entlang der Clerve führt – durch schönste Orte, einer sogar mit einer kleinen Wasserfurt. Ist es zu fassen? Auch hier bleiben uns knackige Anstiege nicht erspart. Doch im Wissen, dass es nur noch acht Kilometer sind, erreichen wir schließlich Enscherange.
Dort haben wir ein Tiny House auf einem Campingplatz gebucht. Was heißt Campingplatz? So etwas habe ich selten gesehen: ein schönes Ensemble sogenannter Tiny Houses und noch kleinerer fester Unterkünfte. Alles wie ein Dorf – und fest in niederländischer Hand.
Zurück zum Wetter. Nach dem unsichtbaren Regen von gestern hatten wir das Vertrauen in alle Wetter-Apps verloren. Nun überfällt uns der Sommer. Hinterrücks. An einer Stelle wechseln wir sogar ins Sommertrikot. Und welcher Tag hätte besser gepasst für ein Tiny House auf einem Campingplatz als dieser – der Tag der Wiedereröffnung des Sommers?
Also: Beine baumeln lassen nach dieser anspruchsvollen Etappe, auf der Veranda sitzen, Kaffee trinken.
Erkenntnis des Tages: Holländer können campen.
Freitag, 12. Juni 2026
Die Ardennen zeigen ihre Krallen und ihr grünes Herz – Sedan–Neufchâteau.
Als wir uns von unserer Wirtin verabschiedet haben, suchen wir die Bar am Platz auf. Hier gibt es wirklich nur Kaffee, aber der Barista hat keine Einwände, dass wir ein Croissant aus der nahegelegenen Boulangerie verzehren. Inzwischen nieselt es – eigentlich schon etwas mehr als Niesel –, also noch ein zweiter Kaffee. Es soll ja heute überhaupt gar nicht regnen.
Dann machen wir uns auf den Weg, fahren zurück zur Maas und folgen lange dem schönen Uferweg. Feuchtigkeit liegt in der Luft. Noch einmal schauen wir auf das aktuelle Radarbild: Es zeigt Bewölkung, aber nicht, ob sie bis zum Boden reicht. So geht es weiter.
Nun verlassen wir den schönen Fluss und klettern zurück in die Ardennen – zunächst sanft, dann steiler. Der Tacho zeigt rot, 10 %, an, bis wir die Kuppe erreichen. Dort ein schöner Rastplatz, der im Regendunst nicht allzu weit blicken lässt. Dann wieder hinab zur nächsten Steigung. So geht es auf und ab, mal durch Wälder, mal durch Wiesen.
Nach 21 km ein Supermarkt, der größte der Region. Wir gehen einkaufen, das, was für die nächsten 20 km gebraucht wird. Ich warte die Fahrräder: Nachwachsen der Kette. Saubermachen.
Dann überwinden wir die nächsten Höhenmeter wieder auf einer Eisenbahntrasse. So ganz klar kann man das vorher auf der Karte nicht sehen. Aber nun folgen wir einem langen Band, das sich sanft nach oben bewegt. Wir sind in tiefen Wäldern ohne Ausblicke, aber auch ein wenig beschützt.
Dann endet auch diese Trasse, mündet aber in einen weiteren grünen Weg auf schottrigem Asphalt, garniert mit kleinen, scharfen zehnprozentigen Anstiegen. Anschließend eine lange Abfahrt und dann eine verwunschene, ehemalige Bahntrasse, fast zugewachsen. Aber immerhin mit einem – wohl aus vielen EU-Geldern wiederhergestellten – Viadukt, das ein tiefes Tal überquert.
Wir erreichen nun einen bedeutenden Wanderort: Herbeumont. Viele Restaurants buhlen um Kundschaft. Wir entscheiden uns für das in der Mitte gelegene Restaurant. Solide Mittagspause, noch ein wärmender Kaffee – und auf einmal Sonne im Wintergarten. Ein kleiner Höhepunkt.
Wir machen uns zum Zahlen bereit – und wieder diese unendliche Feuchte. Nun geht eine weitere Himmelsleiter durch den Wald hinauf, und mitten in der wohl längsten 10 %-Steigung schüttet es nur so herunter. Thea denkt: Dann ist es wenigstens nicht zu heiß. Ich quäle meinen Ackergaul mit Kleiderschrank über den Berg.
Und dann die große Überraschung: eine Landschaft wie die Hochrhön – und Wetterwechsel. Die Straßen sind trocken. Wir haben tatsächlich eine Art Wetterscheide erreicht, jedenfalls für den Augenblick.
Nun geht es flott weiter bis kurz vor unseren Zielort Neufchâteau. Ein deutsch-französischer Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg lässt uns innehalten. Vereint sind hier deutsche und französische Soldaten beigesetzt. Ein Erinnerungsbuch am Portal zeugt vom regen Besuch. An einem Tag im August 1914 starben hier Tausende von Soldaten auf beiden Seiten.
Am Zielort beziehen wir Quartier in einer alten Villa. Alles scheint im Innern 100 Jahre und älter zu sein. Äußerlich hätte man diesen Glanz dem Haus gar nicht angesehen. Was für ein schöner Ort, um wieder warm und trocken zu werden.
Dann Supermarkt: Wir kaufen uns ein paar Köstlichkeiten der Region und freuen uns auf unser Abendessen in der Küche mit parkähnlichem Ausblick.
Erkenntnis des Tages: Hinter spitzen Krallen verbirgt sich ein gütiges Herz.
Donnerstag, 11. Juni 2026
KANal-les so schön sein? – Rethel - Sedan
Was für eine schöne Strecke.