Seit 2007 bereichert der Gottesdienst in rheinischer Mundart – kurz: die Mundartmesse – in der Karnevalszeit die liturgische Ordnung. Ins Leben gerufen wurde sie vom Organisten Günther Besseler gemeinsam mit dem Pfarrcäcilienchor St. Barbara in Ippendorf. In diesem Jahr hatte der Chor nun bereits zum zweiten Mal Gelegenheit, die alljährliche Messe in St. Sebastian vor großem Publikum zu feiern. Grund hierfür sind die laufenden Renovierungsarbeiten in St. Barbara.
Die Mundartmesse ist ein Magnet – nicht nur für viele Gläubige, sondern auch für Menschen, die der Kirche eher fernstehen und aus Neugier, vom Hörensagen geleitet, den Weg in die Kirche wagen. Und sie werden nicht enttäuscht. Bekannte karnevalistische Weisen, sorgsam in Mundart auf christliche Botschaften umgedichtet, stellen den Zusammenhang zwischen Karneval und Glauben ganz augenfällig her. Das Mitfeiern fällt leicht. Exklusive Texthefte erleichtern das Mitbeten im heimatlichen Idiom. Und wenn dann auch noch altbekannte Kirchenlieder op Bönsch erklingen, spürt man diesen besonderen Zauber, der sich nicht selten in Gänsehaut äußert.
Für einen solchen gelungenen Gottesdienst braucht es viele Zutaten: den kräftigen Chorgesang, einstudiert vom Spiritus Rector dieser Messe, Günther Besseler, die mitreißende Begleitung durch die Bläser- und Schlagzeugbesetzung, die es versteht, von der Orgelbühne aus das gesamte Kirchenschiff mitzunehmen. Dem steht die Predigt von Pfarrer Bernd Kemmerling, einem bergischen Jungen, in nichts nach. In schwierigen Zeiten setzt er mit dem Grundmotiv „Dot üch freue“ einen wohltuenden Kontrapunkt zur allgemeinen Verzagtheit. Die Predigt mündet am Schluss in das altbekannte Lied „Wenn am Himmel die Sterne tanzen“ und verbindet so Wortverkündigung und Gemeinde auf besonders berührende Weise.
Die Fürbitten, textlich angelehnt an Motive bekannter Karnevalslieder, sind ein Meisterstück aus der Feder von Kalle Krohn und gehen ebenso zu Herzen. Welch wunderbarer Auftakt zur fünften Jahreszeit: Akzente setzend, nahbar, zugewandt, und Kirche in einer sehr menschlichen Dimension zeigend. So öffnen sich am Ausgang – nicht zuletzt dank des warmherzigen Appells von Diakon Paul Kirschner – auch die Geldbörsen und bescheren dem Chor eine stattliche Spende, die es ermöglicht, die Chorarbeit im Dienst des Pfarrverbands wirksam fortzuführen.
Zum Auszug spielt die Orgel gemeinsam mit den Bläsern „Echte Fründe“. Der Strom der Gläubigen trifft sich anschließend im Vorraum der Kirche bei Kaffee und Gebäck und lässt diesen herrlichen Sonntag gemeinsam ausklingen.