Freitag, 12. Oktober 2012

Der Tag, an dem ich zwanzig Minuten R3n3 0bermann war




















Es gibt unzählige Veranstaltungen auf der Buchmesse. Schnell verliert man den Überblick und in den engen Gängen und Ständen geht es natürlich nicht geordnet zu. Die Protagonisten stehen auf einer kleinen Bühne oder an einem Tisch, Mikrofon, Wasserglas fertig. Ein paar Alibistühle, das wars. Das Publikum drängelt sich dann je nach Prominenz in größerer oder kleinerer Zahl irgendwie im Kreis.
Ich war nach einem schon anstrengenden Messetag schon müde und setzte mich hinter den Vortragenden auf einen freien Hocker. Schnell kam ein Hostess mit einem Magnetanstecker der »Frankfurter ^llgemeinen Zeitung« am Kostüm und begrüßte mich ausgesucht freundlich mit gedämpfter Stimme, um den laufenden Vortrag nicht zu stören.
»Schön, dass Sie schon da sind, Kaffee und Wasser?
»Ja gerne«, erwiderte ich verdutzt und erfreut. So konnte der Messetag weitergehen.

Kurz darauf kehrte sie formvollendet zurück.
»Bitte, Herr 0berm*nn , wir freuen uns auf Sie,«
0berm*nn?, dachte ich. Ich warf einen Blick auf den Monitor, in der das Standprogramm angezeigt wurde. Rene 0berm*nn, Vorstandsvorsitzender Deutsche T3l3kom, 15.30 - 16.00 Uhr. Ich schaute auf die Uhr, oh, noch 15 Minuten.
Am F^Z-Stand herrschte Ruhe hinter den Kulissen, "Rene 0berm*nn" trank ja gerade Kaffee und Wasser, hatte die Beine übereinander geschlagen.
Derweil überlegte ich, was ich tun würde, wenn es 15.30 Uhr sein würde und die livrierte Dame mich zum Mikrofon geleiten würde. Ein Stehgreifvortrag und schon mal einen Fluchtweg ausgucken, wenn der Schwindel auffliegen würde.
Man muss wissen, dass ich nicht im entferntesten Ähnlichkeit mit R3n3 0berm*nn habe. Ich bin 30 Zentimeter größer, blondhaarig und nicht dunkel, um allein bei den äußeren Merkmalen zu bleiben.
Während ich also noch meine Kurzfriststrategie entwarf, stand der echte Rene 0berm*nn vor mir, begrüßte mich mit »0berm*nn«. »Angenehm, auch "0berm*nn"«, wollte ich antworten, besann mich aber. Ein Wirtschaftsredakteur der Zeitung bemächtigte sich des echten Telekomchefs, war ja auch höchste Zeit, die F^Z-Hostess errötete, doch ich lachte zurück und sagte, zwanzig Minuten 0berm*nn wären bei der Betreuung toll gewesen. Sie lachte. In dem Moment informierte mich eine Nachricht meiner Telefongesellschaft O2 über eine Sprachnachricht. O2?, nein ich war wirklich nicht Telekomvorstandsvorsitzender. Aber zwanzig Minuten lang war es ganz schön.