Dienstag, 29. März 2016
Wenn die Nachtigall singt. Von Hontanas nach Boadillo del Camino 29,2 KM
Die Stimmung in der Bar am Morgen war schlecht. Die Wolken hingen tief, die Regentropfen prasseln gegen das Fenster. Unschlüssigkeit machte sich breit. Ich bestellte einen weiteren cafe con leche, streifte meine Regenhose über und rüstete mich für den Tag. Und so machte sich eine kleinere Gruppe auf, verließ den Ort und schwenkte in ein wunderbar fruchtbares Tal ein. Es war von biblischer Schönheit und bald verteilten sich die bunten Regencapes über den gesamten Verlauf des Weges. Schließlich mündet der Weg in eine Provinzstraße und den nächsten größeren Ort Castrojeriz, wo nach und nach alle Pilger zum zweiten Frühstück eintrafen. Die Lebensgeister kehren zurück, selbst die Sonne blinzelte hervor und so waren wir gerüstet für den ersten großen Anstieg zum Alto de Mostelares. Auch hier ein großartiger Blick zurück und voraus. In all ihrer Pracht, ausgebreitet mit grünen Äckern ohne Anzeichen von Besiedelung. Nur der sandige Weg schlängelte sich Richtung Westen. Der Wind blies uns kräftig von Westen ins Gesicht, vermischt auch mit weiterem Nieselregen und es war so, als wenn man bis in die letzte Ritze ausgekehrt würde. Vorbei an einem alten Pilgerhospital erreichte ich den schmucklosen Ort Itero de la Vega. Mittagsstärkung vor dem letzten Teilstück durch die Ebene und über einen letzten Höhenzug. Inzwischen war ich vollkommen alleine, der Wind blies kräftig und dann vernahm ich zum ersten Mal in einer Klarheit, die man bei diesem Luftrauschen gar nicht vermutet hätte, die Stimme einer Nachtigall. Ich entdeckte sie nicht, aber sie unterhielt mich bestimmt eine Minute lang. Beschwingt von dieser unerwarteten Begleitung erreichte ich Boadillo del Camino und dessen schmucklose Herberge in der ehemaligen Schule. Es war, als beträte man die Kulisse eines trostlosen Win-Wenders-Film. Ich warte mal in der Bar ab, vielleicht kommt er gleich....
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