Nach Bensberg zu kommen und die Innenstadt zu sehen, ist für mich noch immer ein schmerzvoller Prozess. Als wir dorthin zogen, ragte am Ende meines Schulwegs zur Grundschule das neue Rathaus auf – ein Bauwerk, das die Stadtoberen, die es selbst verantworteten wenig schmeichelhaft als „Affenfelsen“ bezeichneten.
Eine unsägliche Rolle spielte dabei der damalige Stadtbaurat Willi Franzen. In seiner Amtszeit gelang es ihm, die Stadt mit wuchtigen Betonfantasien systematisch zu verändern und vieles von dem zu zerstören, was Bensberg einst seinen besonderen Charakter gegeben hatte. Das reichte von der Ansiedlung des Wohnparks „Klein-Manhattan“ bis zum Schleifen der Wipperfürther Straße, die sich einst in einer pittoresken Serpentine hinauf zum Schloss wand.
Als Kind erinnerte mich dieser Anblick immer auch an die Schikane im Hafen von Monaco, die alljährlich im Mai für das Formel-1-Rennen hergerichtet wurde. Damals kannte ich dieses Rennen allerdings nur aus den Comics von Michel Vaillant. Die Vorstellung, dass es einen Ort gab, an dem sich eine spektakuläre Rennstrecke durch eine Stadt und unmittelbar am Hafen entlangschlängelte, faszinierte mich.
Heute würde man ein solches Ensemble vermutlich mit ganz anderen Augen betrachten und seinen städtebaulichen Wert erkennen. Zu meiner Schulzeit war das Schloss allerdings noch – als Folge des Zweiten Weltkriegs – vom belgischen Militär okkupiert. Wir kannten es eigentlich gar nicht.
Bensberg, einst das Tor zum Bergischen Land, hatte dadurch viel von seinem Charme verloren.
So prominent das neue Rathaus auch sein mochte: Der sogenannte „Franzenriegel“ versperrte bald den Blick auf das moderne Ensemble so, als bereue er einst für das wegweisende Böhm – Rathaus, den Weg frei gemacht zu haben. Und ausgerechnet der Grund und Boden, auf dem die neuen massiven Bauwerke errichtet wurden, war alles andere als dafür geeignet.
Die sogenannte Fußgängerzone hat seit ihrer Umgestaltung Mite der 1970er-Jahre manches „Lifting“ erlebt. Mehr als eine Abmilderung der schlimmsten ästhetischen Sünden konnte daraus allerdings kaum werden.
Ich erinnere mich auch noch ziemlich genau, dass ich damals die Entwurfsdarstellungen im Rathaus als junger Schüler ansah und hoffte, es handelte sich hierbei nur um besonders hässliche Bausätze einer Modelleisenbahn.
So bleibt am Ende vor allem der verklärte Blick zurück – und die Erinnerung an Bensberg, wie es sich einem achtjährigen Jungen damals zeigte. Ich empfinde Trauer, zu sehen, wie sehr unsere Städte in den Wohlstandszeiten nach dem Krieg ein zweites Mal zerstört wurden.