Your disco needs you – oder: Durchs Mühltal zur Maas und auf der Eisenbahn nach Westen
In Ciney wohnen wir mitten im Zentrum. Wir hören das Klappern der Marktbeschicker am Morgen, gehen in die Boulangerie, frühstücken auf dem Markt, machen unsere Fahrräder fertig und verlassen Ciney westwärts. Leichte Kletterei, und dann durch das Mühlental am Fonds de Leffe hinab zur Maas – eine pittoreske, schlängelige Straße an unzähligen Mühlen vorbei. Die breiten Pneus an den Rädern holpern über die Dellen der Straße.
Bis wir nach langer Schussfahrt ans Ufer der Maas gelangen. Über eine betagte Schleusenanlage überqueren wir den Fluss aufs andere Ufer, folgen ihm ein paar Kilometer
Stillgelegte Eisenbahntrassen sind das Herzstück des Netzes unabhängiger Wege in Belgien (RAVeL). Diese zumeist über hundert Jahre alte Infrastruktur wird vom Staat sorgsam gepflegt, instand gehalten und kontinuierlich betreut. Dort, wo früher die Schwellen verlegt waren, sind die Wege mit bestem Straßenbelag asphaltiert. Die Wegränder werden regelmäßig gemäht. So kann man mit dem Rad Wege nutzen, die meist ohne nennenswerte Steigung (maximal vier Prozent waren von Lokomotiven bewältigbar) genutzt werden können, um auch Mittelgebirge optimal zu durchmessen. Oft ziehen sich die Wege über Höhenrücken und nutzen die natürliche Topografie. Einschnitte in den Fels und Tunnelanlagen erlauben es, die Trassen auch durch unwegsames Gelände zu verlegen und große Höhenhindernisse zu überwinden. Diese Infrastruktur weiterhin instand zu halten, ist die eigentliche Leistung des belgischen Staates.
Von achtzig geht es bald auf zweihundertzwanzig Höhenmeter hinauf, kaum merklich. Alle Einschnitte sind mit Viadukten überwunden. Und so gleiten wir meist oberhalb der Ortschaften auf einer Hochbahn in den Westen. Große Räume öffnen sich hier zwar mit Monokulturen, aber hier und da findet sich ein schöner Rastplatz im Grünen. Und die vermeintlich laut Karte härteste Steigung erspart uns der Tunnel der früheren Strecke durch den Berg, sodass wir viele Höhenmeter sparen.
Picknick am Rand. Herrlich.
Früher als gedacht haben wir die zweiundachtzig Kilometer bewältigt und erreichen Thuin, eine Stadt mit hübscher Unter- und Oberstadt, vergleichbar etwa mit Marburg. Dort beziehen wir eine wunderbare Ferienwohnung mit Blick ins Tal.
Was für eine begeisternde Fahrt.
Erkenntnis des Tages: Partys kommen manchmal unerwartet.