Dienstag, 9. Juni 2026

Tanze Sambre mit mir, ein gestrandeter Wal und immer schneller als die Wetterfront – Thuin - Formies

Am Morgen verlassen wir die Oberstadt von Thuin und fahren hinunter in die Unterstadt. 


Direkt an der Sambre kehren wir in eine Boulangerie ein: vier Pains au chocolat. In einer zweiten holen wir zwei Kaffee. Wir frühstücken in der Morgensonne.



Dann beginnt ein Tanz entlang der Windungen des Flusses. Ein gut angelegter Uferweg führt uns durch stille, idyllische Landschaft nach Westen. Kein Schiffsverkehr. Dafür alte Schleusen, sorgfältig nummeriert, umgeben von ein paar Häusern. Alle acht Meter steht eine kräftige Schwarzpappel. Ein Bilderbuchweg.


In der Ferne die bewehrten Kirchen der Gegend, umgeben von Häusern aus grauem Stein. Kühe auf den Wiesen. Und hier endlich ein kleiner Lastkahn, der sich langsam vorarbeitet.


Zwanzig Kilometer Flussweg – wie im Paradies. Die Grenze zeigt sich schlicht: belgischer Asphalt weicht französischem Schotter. Wir kommen nach Jeumont, dem Grenzort, und verlassen ihn gleich wieder. Immerhin, ein Schild nach Paris. Es geht weiter nach Süden, in den Naturpark L’Entre-Sambre-et-Meuse.



Die Landschaft ist landwirtschaftlich geprägt. Weite Wiesen, darauf verstreut Baumgruppen. Es geht auf und ab. Hecken säumen den Weg und brechen den Südwestwind, der an diesem Tag kräftig weht. Eine Wiese lädt zur kurzen Rast ein. Unwillkürlich ragt in den Feldern ein französischer Bunker aus dem Grün – wie ein gestrandeter Walfisch, der traurig in die Landschaft blickt, ein Relikt der Kriege, die hier zwischen Deutschen, Franzosen und alliierten Truppen tobten.


Dann weiter nach Solre-le-Château. Auf dem Marktplatz kehren wir ein. Die Bar ist offen. Wir sitzen unter dem Kriegerdenkmal, frische französische Fahnen flattern. Menschen schlendern vorbei. Schaukeln, Kleiderstände, Obst aus der Region.



Eine Wetterfront rückt näher. Nieselregen mahnt zur Eile. Also weiter zum Ziel: Fourmies. Ein alter Industriort. Hier nahm die Arbeiterbewegung des 1. Mai ihren Lauf – nach dem Massaker von 1891, als Soldaten auf streikende Arbeiter schossen.



Wir fahren hinaus zu mehreren Teichen einer ehemaligen klösterlichen Fischzucht. Heute ein stilles Freizeitgebiet. Ein Restaurant am See hat gerade geöffnet. Ein Strandbad alter Schule gibt es auch. Wir kehren zum Essen ein und belohnen uns.


Das Hotel liegt gleich daneben. Einfacher geht es nicht.


Erkenntnis des Tages: Flüsse tanzen, wenn ihr Schwung und Glitzer stimmen.